Musiktherapie und Demenz

Mai 19, 2022 | Studien | 0 comments

Bei kognitiven Beeinträchtigungen, Demenz und Alzheimer treten im Verlauf auch oft Veränderungen im Verhalten auf.  Dies können unter anderem Symptome wie Angstzustände, Trauer, Frustration, Apathie, Reizbarkeit und Depression sein.  Die betroffene Person zieht sich immer mehr zurück, und es kommt zur sozialen Isolation.

Laut einer Studie von Wragg (Wragg 2006)  treten Depressionen bei 40 bis 50 % der Demenzbetroffenen mit Alzheimer auf. Wahnvorstellungen sind mit einer Häufigkeit von bis zu 73 %, Halluzinationen bis zu 50 % als Begleiterscheinungen vertreten. Als Folge nächtlicher Orientierungslosigkeit tritt das nächtliche Wandern, oder auch Erethismus genannt, bei etwa 60 % der Menschen mit Demenz auf.

Das Interesse an nichtpharmakologischen Therapieansätzen ist groß, die Musikintervention birgt viel Potenzial.

Im Zuge einer 2014 durchgeführten Metaanalyse (Gómez-Romeros et al. 2014) wurde überprüft, ob Musiktherapie in Form von passiver und aktiver Musikintervention zur Verbesserung  von Verhaltensstörungen, Angstzuständen und Unruhe bei Demenzbetroffenen beitragen kann.

Einblick in die Metaanalyse:

Insgesamt wurden 2188 Studien im Zeitraum von 2003 bis 2013  ausgeforscht.  

Die Studien verdeutlichen, dass regelmäßig konsumierte Musik signifikant zur Verbesserung von Verhaltensstörungen, Angstzuständen und Unruhe bei Demenzbetroffenen beiträgt. 

Laut Pflegeexpertin DKGS Sabine Marek geht “eine Depression oftmals einer Demenz voraus. Nicht nur aus diesem Grund stellt die Metaanalyse eine wichtige Erhebung dar, zumal Musikintervention alternativ oder begleitend zu einer medikamentösen Therapie eingesetzt werden kann. Die durchgeführten Studien legen nahe, dass Musiktherapie zur Verbesserung von Verhaltensauffälligkeiten, Angststörungen und Unruhe beitragen kann.”

Von allen Studien sind elf besonders hervorzuheben, da sie auch allen Qualitätsstandards entsprachen. meineHILDA wird Ihnen zwei davon konkreter vorstellen:  

An einer im Jahr 2007 durchgeführten Studie (Suzuki et al. 2007) nahmen 16 Patienten mit kognitiven Beeinträchtigungen teil. Acht Patienten erhielten in einem Zeitraum von zwölf Wochen zwei Mal pro Woche Musiktherapie, acht keinerlei Therapie. 

DIe Teilnehmer der Versuchsgruppe zeigten nach Beendigung der Studie signifikante Verbesserungen hinsichtlich Verwirrtheit, Reizbarkeit, Angst, Agonie, depressive Stimmung und Unruhe.  

Die Studie von Y. Lin et al. (2011) mit über 100 TeilnehmerInnen, alle hatten eine Demenzdiagnose, ist ebenfalls hervorzuheben.

Die Musikgruppe erhielt 6 Wochen lang 12 Musiktherapiesitzungen und die Kontrollgruppe führte weiterhin tägliche Aktivitäten durch ohne Musik. 

Vier Bewertungen wurden auf der Cohen-Mansfield Agitaton Inventory (CMAI)-Skala durchgeführt: eine vor Beginn, und drei während der musiktherapeutischen Intervention. 

Die Ergebnisse zeigen eine signifikante Abnahme der Werte des erregten Verhaltens in der Versuchsgruppe.

Sowohl körperliches und verbales aggressives Verhalten, als auch  erregtes Verhalten im Allgemeinen führten in allen Bewertungspunkten  zur Verbesserung.

Fazit:

Diese Metaanalyse zeigt die Wirkung von Musik! Eine weitere wichtige Erkenntnis: Musik muss regelmäßig konsumiert werden um zu wirken!   Die aus der Metaanalyse gewonnen Ergebnisse zeigen, dass Musiktherapie bei der Verbesserung von Verhaltensstörungen, Angstzuständen und Unruhe bei Demenzbetroffenen eine positive Wirkung erzielt. Die Resultate der Studien legen jedoch nahe, dass Musiktherapie regelmäßig und langfristig durchgeführt werden muss, um Langzeitwirkung zu erfahren.  Es kann festgehalten werden, dass Bedarf für weiterführende, langfristig angelegte Studien besteht, zumal in den letzten Jahren sehr wenige kontrollierte Studien und randomisierte kontrollierte Studien zu Musiktherapie bei Menschen mit Verhaltensstörungen, Angstzuständen und Unruhe durchgeführt wurden. Auch im Bereich der Demenzprävention belegen zahlreiche wissenschaftliche Studien die positive Wirkung von Musik. Musik, die im Rahmen der Demenzbetreuung viel zu selten genutzt wird.  meineHILDA wirkt dem entgegen: Im Rahmen der Dual Task-Methode nimmt Musik als sekundäres Element eine zentrale Rolle ein!
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